Zur Geschichte von Hummel 

Von Rudolf Goerge

 Vor- und Frühgeschichte

In Ober- und Niederhummel haben schon in der Jungsteinzeit (6000 bis 1800 v. Chr.) Menschen gelebt, wie Gefäßfragmente und sonstige Funde beweisen. Auch die Kelten und Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Vermutlich aus frühmittelalterlicher Zeit stammen in Oberhummel zwei Gräber. In Niederhummel fand man Hüttenlehm, den man früher für die Fachwerkhäuser verwendete, und die Reste eines größeren Grubenhauses aus dem 7./8. Jahrhundert nach Christus. Wohl aus der gleichen Zeit sind die Gefäßfragmente, Webgewichte und ein Messer aus Eisen.

Die schriftlichen Zeugnisse des Mittelalters unterscheiden leider nicht zwischen Ober- und Niederhummel, sondern nennen beide nur „Hummel“. Darum ist es nicht möglich, die älteren Dokumente einem bestimmten Ort zuzuweisen.

Der Name „Hummel“ soll nach Ansicht der Sprachforscher mit dem althochdeutschen Wort „humbla“ (Hummel, Waldbiene) zusammenhängen. Demnach bedeutet der Ortsname eine „Hummelweide“.

Erstmals wird Hummel in einer Freisinger Urkunde vom 31. Mai 808 schriftlich erwähnt. Damals übergab der Diakon Rupo seinen ererbten Besitz und den Besitz seiner Mutter Itispurc, der in Hummel, Strogn und Isen lag, der Kirche der heiligen Maria und des heiligen Korbinian in Freising. Diese Stiftung machte er im Einvernehmen mit seinen Brüdern zu Seelenheil seines verstorbenen Vaters Sigipald und seiner Mutter. Der Rechtsakt wurde im Freisinger Dom im Beisein des Bischofs Atto und des Domklerus feierlich vollzogen. Die übrigen anwesenden Zeugen zupfte man nach altem Rechtsbrauch an den Ohren.

Vom 10. bis 13. Jahrhundert lebten und wirkten in Hummel Ministerialen, die in den Diensten der Freisinger Bischöfe standen und sich nach ihrem Stammsitz  „Herren von Hummel“ nannten. Das Güterverzeichnis (Urbar) des Hochstifts Freising, das um 1180 angelegt wurde, unterscheidet erstmals zwischen Oberhummel (Humblin superius) und Niederhummel (Humblin inferius), während das älteste bayerische Herzogsurbar um 1231/1234 nur Humbeln schreibt. Freising besaß demnach im 12. Jahrhundert in Oberhummel einen Hof und in Niederhummel zwei Höfe und vier ganze und zwei halbe Hufen, dazu einen Hof in Windham. Die Bauern hatten an den bischöflichen Hof Naturalien abzuliefern, wie zum Beispiel Mastschweine, Schlachtvieh, Schafe und Lämmer, Hülsenfrüchte, Rüben Hafer, Weizen und Holunder. Auch die beiden Fischer hatten bestimmte Abgaben zu leisten. Im bayerischen Herzogsurbar (1231/1234) wird übrigens „diu niuwe muol“ (die neue Mühle) erwähnt, vielleicht stand sie in Oberhummel, weil dort 1760 ein Müller genannt wird, der dem Kastenamt Landshut zinspflichtig war.

Hummel war von 1284 bis 1803 eine geschlossene Hofmark, die im Landgericht Kranzberg lag, die Orte Oberhummel, Niederhummel und Windham umfasste und dem Hochstift Freising gehörte. Bischof Emicho hatte sie 1284 für Freising erworben. Die bischöflichen Richter durften beinahe alle Vergehen und Frevel richten und strafen. Hatte ein Untertan einen Diebstahl, einen Todschlag oder ein Notzuchtverbrechen begangen, wurde der Übeltäter zwar vom bischöflichen Richter verurteilt, musste dann aber zur Bestrafung an die herzogliche Justiz ausgeliefert werden.

Not und Elend im Dreißigjährigen Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg(1618 – 1648) hatte die Bevölkerung viel zu erleiden. 1632 beklagte sich der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh beim bayerischen Kurfürsten Maximilian I. in einem Brief, dass die schwedischen Horden mit ihrem Feldmarschall Gustav Horn die Hofmarksdörfer Eitting, Marzling, Niederhummel und das Schloss Eisenhofen abgebrannt hätten. Der Pfarrer Bartholomäus Peyerl von Hummel berichtete unter anderem , dass in Niederhummel der Hof des Heinrich Mayer, die Schönberger-Hube und die Sölden des Aubinger, Rosner und Leupner durch Feuer zerstört worden seien. Das Wirtshaus des Balthasar Dienger wurde vollständig geplündert und angezündet. Viele Leute wurden grausam ermordet, wie der Hirt, der Schuster und andere Bewohner des Dorfes.

Durch den Krieg war die Bevölkerung so verarmt, dass sie keine Steuern mehr bezahlen konnte. Im Jahr 1655, sieben Jahre nach Beendigung des schrecklichen Krieges, war noch keiner der zerstörten Höfe aufgebaut. Erst 1701 konnten der Kupferstecher Michael Wening und der Jesuitenpater Ferdinand Schönwetter in ihrer Beschreibung Bayern schreiben, dass „diese Güter....von denen Unterthanen zu Dorff und Feld widerumb erhebt worden seien.“

Hummel ab 1760

Die Beschreibung des Landgerichtes Kranzberg vom Jahr 1760 vermittelt uns ein Bild über die Größe und die Verhältnisse der Hofmark Hummel und somit auch des Dorfes Niederhummel. Damals bestand Niederhummel aus 38 Anwesen, die unterschiedliche Hofgrößen hatten und verschiedenen Grundherren zinspflichtig waren.

Der Ort Niederhummel wuchs langsam aber stetig. So standen 1803 hier 39 Häuser. Um 1875 lebten in Niederhummel 198 Menschen in 40 Häusern. Nach der Volkszählung von 1950 war die Bevölkerung auf 300 Einwohner angewachsen.

Im Zuge der Säkularisation 1803 wurde das Hochstift Freising aufgelöst. Seit dieser Zeit gehörte die Hofmark Hummel zum Kurfürstentum und späteren Königreich Bayern.

Bei der Bildung der neuen Gemeinden im frühen 19. Jahrhundert blieb die Gemeinde Oberhummel mit Niederhummel und Windham bestehen. Mit der Gebietsreform 1972 wurde die Gemeinde Oberhummel aufgelöst und in die Gemeinde Langenbach eingegliedert.

Die Pfarrkirche Oberhummel und die Filialkirchen

Die beiden Kirchen in Ober- und Niederhummel waren eng mit dem Stift St. Andreas auf dem Freisinger Domberg verbunden. Schon 1157 überließ Bischof Otto I. diesem Stift zahlreiche Güter, unter anderem auch Hummel. Beim großen Brand 1217 wurde nicht nur der Dom, sondern auch das Andreasstift ein Raub der Flammen. Um dem arg in Not geratenen Stift wieder eine bessere Lebensgrundalge zu geben, schenkte ihm Bischof Gerold 1220 die Pfarrei Hummel zur seelsorglichen Betreuung und zur Nutzung der Einkünfte.

Im Jahr 1315 wird erstmals die Pfarrei Hummel beschrieben. Die Pfarrkirche stand damals in Oberhummel. Die fünf Filialkirchen waren in Niederhummel, Langenbach, Oberbach Hangenham und Rudlfing.

Von der Schule

Niederhummel besaß im 18. und frühen 19. Jahrhundert eine eigene Schule. Von 1785 bis 1806 war hier Augustin Urban als Lehrer tätig. Die Hofkammer Freising überließ ihm drei Tagwerk Ödgrund, damit der „Schullehrer in seinem Amt unterstützet und wegen unentgeldlicher Lehrung der armen Schulkinder Obsicht getragen werde“. Weil der arme Schulmeister nicht ganz verhungern durfte, versah er zusätzlich den Kantordienst in der Kirche um 20 Gulden und besserte sein klägliches Gehalt als Hochzeitslader auf.

1804 stellten Visitatoren fest, dass die Feiertagsschule im Winter stark, im Frühling schwach, im Sommer fast gar nicht mehr besucht  werde. Dies ist nur allzu leicht verständlich, weil die Kinder besonders in den Frühlings- und Sommermonaten auf dem Hof und bei der Feldarbeit kräftig mithelfen mussten.

Damals wies eine Kommission darauf hin, dass die Schule „in einem elenden Hause“ untergebracht sei. Sie hielt es deshalb für wünschenswert, die Schule an den Pfarrsitz Oberhummel zu verlegen. Dies war jedoch mit Schwierigkeiten verbunden, weil der Pfarrer und der Lehrer „in Disharmonie und Beyde etwas rohe Menschen“ waren. Schon bald gründete man einen eigenen Lokalschulfond, der um 1805 ein Kapital von 1562 Gulden vorzuweisen hatte. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen konnte am 1. November 1861 die neue Schule in Oberhummel eröffnet werden.

In den Dörfern Ober- und Niederhummel haben sich bestimmt keine weltbewegenden Ereignisse zugetragen. Dennoch konnten sie alle guten und schlimmen Zeiten überstehen, weil die Bewohner immer wieder den Willen zum Überleben gezeigt haben. Für die Menschen, die hier seit vielen Jahrtausenden leben ist Hummel immer Heimat gewesen, in der sie sich geborgen und heimisch fühlen.